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Das tägliche Bier
hält die Gesundheit bei der Stange
Im Gerstensaft sind viele
wertvolle Stoffe wie Polyphenole und Bitterstoffe enthalten. Forscher entdecken nun
deren positive Wirkung.

Kühl, blond und gesund: In Massen
ist Bier gut für die Gesundheit im Übermass wohl eher nicht.
Bild: Keystone
Die Statistiken sprechen für
die Stange
Bier ist wahrscheinlich älter als
Wein. Es gibt Forscher, die sprechen dem Bier sogar kulturbildende Eigenschaften
zu. Die ersten Bauern in Mesopotamien wechselten gemäss dem Archäologen Solomon
Katz von der Universität von Pennsylvania zum Ackerbau, weil sie die zufällig
entdeckten berauschenden und belebenden Eigenschaften von Bier nicht missen
wollten. Seither hiess es für die Menschheit: sich abrackern für einen Krug
Bier.
Doch das Bier gibt uns auch
einiges zurück. Immer mehr wird klar, dass der Gerstensaft gesünder ist als
angenommen. In neueren Untersuchungen wurde eine entzündungshemmende Wirkung
nachgewiesen. Bier wirkt gefässerweiternd und beeinflusst die Cholesterinwerte
günstig. Britische Wissenschaftler haben zudem gezeigt, dass Bier auch vor
Osteoporose schützen kann. Seine zahlreichen Mineralien werden vom Körper besonders
gut aufgenommen und tragen zur Knochenbildung bei.
Französisches
Paradox
Mittlerweile zeigen viele
Untersuchungen: Ein massvoller Biergenuss kann der Gesundheit förderlich sein.
Anton Piendl, emeritierter Professor am Institut für Brauereitechnologie und
Mikrobiologie der Technischen Universität München, hat viele dieser Untersuchungen
analysiert und ausgewertet. Seine Analyse mit dem Titel «Bier und Gesundheit» ist
2008 erschienen. Heute kann Piendl nur eine Schlussfolgerung ziehen: «Ein Bier pro
Tag ist besser als kein Bier; bis drei Biere sind garantiert nicht schädlich und
können eher nützlich sein.» Nur wer mehr als drei bis vier Biere pro Tag geniesst
und Missbrauch betreibt, lebt auf Dauer gefährlich.
Dass zu viel Alkohol schädlich
ist, ist unbestritten. Zudem berauschen sich immer mehr Jugendliche heutzutage mit
Bier bei den männlichen Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren ist es das
meistkonsumierte alkoholische Getränk.
Widerspruch
entdeckt
Seit den 1970er-Jahren, als vor
allem die fatalen Auswirkungen auf die Leber Stichwort
Leberzirrhose eingehend untersucht und thematisiert wurden, genoss das Bier
einen schlechten Ruf. Dann entdeckten die Forscher einen Widerspruch. Es zeigte
sich nämlich, dass die Franzosen länger und gesünder lebten, obwohl sie so viel
Rotwein trinken wie wohl kein anderes Volk. Mittlerweile ist unter Medizinern
unumstritten, dass mässiger Alkoholkonsum das Risiko von Herz- und
Kreislauferkrankungen senkt. Heute dreht sich der Streit eher um die Frage, welche
Inhaltsstoffe den Effekt des Alkohols unterstützen. Und ob die Antworten zum
Vorteil von Bier oder Wein ausfallen.
Dabei neigt sich die Waage immer
mehr auf die Seite des Biers. Französische Forscher um Louis Mennen etwa
untersuchten die Auswirkung von Wein und Bier und konnten zeigen, dass moderater
Biergenuss noch besser vor Herz-Kreislauf-Krankheiten schützt als Wein. Die Studie
wurde 2003 im Fachblatt «American Journal of Clinical Nutrition»
veröffentlicht.
Alkohol ist
eingebettet
Den Grund dafür sieht Anton Piendl
in der Beschaffenheit des Gerstensafts. «Der Alkohol ist beim Bier sozusagen
eingebettet in eine Vielzahl physiologisch wertvoller Verbindungen: Mineralstoffe,
Eiweisse, organische Säuren, Hopfenbestandteile und Polyphenole.» Laut Piendl
puffern diese im Extrakt enthaltenen Stoffe die schädlichen Wirkungen des Alkohols
ab.
Der Alkohol geht weniger schnell
ins Blut und erreicht auch weniger hohe Werte als bei Spirituosen oder Wein. Wenn
die Testpersonen gleichzeitig eine Mahlzeit verzehrten, stieg der Blutalkoholwert
noch langsamer an, dies war allerdings auch beim Wein der Fall.
Fördert die
Entwässerung
Schon lange bekannt ist auch die
entwässernde Wirkung von Bier. Genauso wie Kaffee fördert Bier die
Harnausscheidung. In einer grossangelegten Studie untersuchten amerikanische
Mediziner die Wirkung des Biergenusses auf Nierensteine. Sie erfassten fast 50'000
Männer und verglichen die Wirkung verschiedener Getränke auf die Bildung dieser
belastenden Konkremente in der Niere und den ableitenden Harnwegen. Kaffee und Tee
hatten eine schützende Wirkung, noch mehr allerdings Bier und Wein, wobei der
Effekt beim Wein am höchsten war. Apfelsaft und Grapefruitsaft erhöhten das Risiko
massiv.
Im Fokus der modernen
Bierforschung stehen allerdings die Inhaltsstoffe wie Polyphenole und die
Bitterstoffe. Sie stammen zu 80 Prozent aus dem Malz und zu 20 Prozent aus dem
Hopfen. Die Bitterstoffe werden nur vom Hopfen beigetragen, der dem Bier vor allem
die Würze gibt. Anton Piendl hat die physiologische Bedeutung der Polyphenole und
Hopfenbitterstoffe im Bier untersucht. «Sie weisen ein besonders breites Spektrum
an gesundheitlichen Wirkungen für den Menschen auf», erklärt
Piendl.
Wertvolle
Polyphenole
Laut Piendl wirken Polyphenole
krebshemmend, sie schützen die Gefässe und entfalten antimikrobielle Wirkung, zum
Beispiel gegen Zahnkaries oder gegen Helicobacter-pylori-Bakterien, die
Magengeschwüre verursachen können. Vor allem dem Hopfenpolyphenol Xanthohumol
werden wahre Wunder nachgesagt. Japanische Wissenschaftler hatten 1997 eine
krebshemmende Wirkung dieses Polyphenols gezeigt, was seither verschiedene
Forscherteams bestätigten.
Zudem zeigten sie antivirale und
antioxidative Aktivität, und sie fangen freie Radikale im Körper ein. Freie
Radikale sind aggressive Moleküle, die das Erbgut oder andere Stoffe im Körper
schädigen können. Dem Xanthohumol wird eine 200-mal stärkere Wirkung zugeschrieben
als dem entsprechenden Polyphenol im Wein, dem Resveratrol. Für einige Phenolsäuren
wurde in Laborversuchen nachgewiesen, dass sie Bindungen mit krebsauslösenden
Substanzen eingehen oder aber die Bindungsstellen für krebsauslösende Stoffe auf
dem Erbgut blockieren. So könnte die Auslösung von Krebs verhindert
werden.
Woher aber rührt der Bierbauch?
Die Frage ist umstritten. Mit ein Grund ist sicher die appetitanregende Wirkung von
Bier. Diese beruht vor allem auf den Bitterstoffen. Dies führt dazu, dass
Biertrinker oft noch Snacks oder andere kalorienreiche Nahrungsmittel zu sich
nehmen. Der Kaloriengehalt von Bier dagegen ist nicht höher als im Apfelsaft und
tiefer als bei Wein und Sekt. Wahrscheinlich keine Schuld trifft die Phytohormone,
die im Hopfen enthalten sind. Laut Anton Piendl werden diese während des Brau- und
Gärprozesses abgebaut. Bei einer Analyse aller Hopfenanteile im Endprodukt, bei der
Piendl 19 Biersorten untersuchte, hat er praktisch keine Phytohormone mehr
entdeckt. (Tages-Anzeiger)
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